Gedanken zur Adventszeit

In einer Reihe von Kirchen finden in diesen Wochen vor Weihnachten Gedenkgottesdienste für verwaiste Eltern und ihre Angehörige statt. Da wird in besonderer Weise der verstorbenen Kinder gedacht, die in diesem Jahr und in den vergangenen Jahren verstorben sind. Alle, die sich versammelt haben, sind von der Trauer gezeichnet, daß sie nicht mehr sagen können: "Mein Kind lebt und es geht ihm gut”, sondern: “Es ist tot und es fehlt mir immer wieder so sehr.”

 

Da werden wir Fotos von der Tochter und dem Sohn im Wohnzimmer aufstellen und uns immer wieder daran erinnern, wie unser Kind herumsprang und fröhlich war. Aber wir können uns gegenseitig nichts mehr erzählen und nichts mehr miteinander erleben. Wir nennen den Namen und vermissen es immer wieder aufs Neue. Rätselhaft und grausam erscheint uns Gott, der uns allen das Leben schenkt, aber dann doch Kinder sterben läßt, auf die wir gewartet, über deren Geburt wir uns gefreut haben. Und dann mußten wir fassungslos erleben, daß sie keine Kraft zum Weiterleben mehr bekamen.

 

Als einstmals die Israeliten als Sklaven in Babylon fern der Heimat leben mußten, waren sie verzweifelt und hatten alle Hoffnung auf eine Rückkehr und auf Gottes Hilfe verloren . Doch da fängt der Prophet Jesaja im Auftrage Gottes zu reden an.

 

‘Ich will die ehernen Türen zerschlagen und die eisernen Riegel zerbrechen und will dir heimliche Schätze geben und verborgen Kleinode damit du erkennst, daß ich der Herr bin, der dich beim Namen ruft, der Gott Israels.”( Jesaja 45. Vers 2) Gott will uns vorangehen, dort, wo uns der Weg versperrt ist, wo wir ausgesperrt oder eingesperrt werden. Mit ihm werden wir Kostbarkeiten finden und wieder glauben lernen, daß wir ihm wertvoll sind.

 

In dem Buch von Anselm Grün " 50 Engel für das Jahr”, stieß ich zu meiner Überraschung auf den Engel der Trauer. Kann denn ein Engel der Trauer einem traurigen Menschen etwas Gutes bringen? Ist er nicht selber stumm und kraftlos? Amselm Grün schreibt: ”Der Engel der Trauer kann Dich nicht vor dem Schmerz bewahren.... Aber Du kannst gewiß sein, daß Du nicht allein bist mit Deinem Schmerz, daß der Engel der Trauer Dich darin begleitet und daß er Deinen Schmerzen neue Lebendigkeit verwandeln wird”. Ich möchte hinzufügen: ”Auch wenn Du Dir das jetzt noch gar nicht vorstellen kannst” Vielleicht sind das dann die mitfühlenden Worte der Nachbarn und eines Tages die Erkenntnis, daß der Tod ihres Kindes ihnen die Augen geöffnet hat für das Leid eines anderen Menschen.

 

Als der Theologe und Pfarrer Karl Barth einen Tag vor seinem Tod mit einem Freund telefonierte, sagte er: “Ja, die Welt ist dunkel. Aber es wird regiert vom Himmel her... Gott läßt uns nicht fallen. Es wird regiert” Das war sein letztes Wort in seinem Leben.

 

Die Engel an Weihnachten bringen diese Botschaft von Gottes Herrschaft: ”Euch ist heute der Heiland geboren. In Jesus Christus wird uns das neue Leben geschenkt.

 

Von Ellen Ringhausen, Pastorin

Seelsorgerin in der Kinderklinik Lüneburg


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